BMW. Wir kommen!

Wenn man einen Platzhirschen angreifen will, braucht man Mut und vor allem jede Menge Power. Der Platzhirsch ist in diesem Falle BMW mit der GS, dem zur Zeit erfolgreichsten Motorrad überhaupt. Und der Herausforderer namens KTM kommt aus Österreich.

Mit der neuen KTM 1190 Adventure haben die Techniker aus Mattighofen einen ernsthaften Kandidaten ins Rennengeschickt.
Ihre Stärke und Kompetenz beziehen die Österreicher vor allem aus dem Rennsport. So gewann der Deutsche SandroCortese den Weltmeistertitel in der Moto 2 –Klasse auf einer KTM und bei der härtesten Rallye der Welt, der Rallye Dakar, landeten KTM- Motorräder auf den ersten fünf Plätzen.
Noch dazu hat KTM mit der 690 Duke die stärkste Einzylinder- Maschine im Programm, bietet den wohl attraktivsten Supersportler, die RC8 R, an, und hat mit der 125er Duke den Bestseller der Klasse vorzuweisen. A’ la bon heure !
Entsprechend erwartungsvoll waren wir, als wir auf Teneriffa zu den ersten Testfahrten mit der nagelneuen 1190 Adventure aufbrachen. Power hat sie jedenfalls genug. Mit 150 PS ist sie die stärkste Reise Enduro, die jemals in Serie gebaut wurde, gleichzeitig ist sie mit 230 Kilogramm eine der leichtesten des Segments.
Die Power bezieht das Kraftrad aus dem Aggregat besagter RC8 R, einem V2 –Triebwerk mit 1195ccm Hubraum und einem Drehmoment von 125 Newtonmetern. Das treibt die Maschine schon mit einem kleinen Dreh am Gasgriff ordentlichnach vorne. Allerdings kann man die Gaszufuhr so fein dosieren, dass sogar Anfänger mit der Kraft dieser Maschine zurecht kommen würden. Die Dosierung wird durch die so genannte Ride by Wire – Technik geregelt, die ein ruckfreies Anfahren schon bei 2500 Kurbelwellenumdrehungen möglich macht. Das System sorgt für eine linearen Kraftenfaltung des Vierventil – Motors.
Aber wir hatten auch bei Bergauffahrten in Richtung des Teide, des höchsten Berges Spaniens , immer noch genug Reserven für den Vortrieb. Selbst bei 8000 Touren auf ebener Straße geht es spürbar voran. Insgesamt ist der Motor sehr ausgewogen und vor allem laufruhig.
Die Fahreigenschaften lassen sich über vier verschiedene Modi verstellen. Bei der Regen und der Off-Road – Einstellung stehen immer noch 100 PS zur Verfügung, die Leistungsentfaltung ist dann aber deutlich moderater. Zusätzlich arbeitet eine Traktionskontrolle an der Stabilität der Fuhre. Sie regelt den Schlupf am Hinterrad. Keine Angst, wer wie Dani Pedrosa oder Jorge Lorenzo durch die Kurven driften will, kann die Traktionskontrolle auch ausschalten. Dann wir das Motorrad allerdings ziemlich giftig.
Hier wäre jetzt ein kleiner Exkurs zu den Reifen angebracht. Die Pneus (Trail/Attack 2) sind von Continental in Hannover speziell und mit hohem Aufwand für die KTM 1190 Adventure entwickelt worden. Und die Mühe hat sich gelohnt, denn die Pneus harmonieren in jeder Situation mit Felgen und Fahrwerk. Die Reifen – Ingenieure haben ihr Produkt eindeutig mehr zu Gunsten des Straßenbetriebes ausgelegt. Üblicherweise werden bei Off-road Motorrädern vorne 21 Zoll und hinten 17 Zoll Räder gefahren, bei der Adventure sind es vorne 19 und hinten die üblichen 17 Zoll.
Das Fahrwerk selbst ist ein wahres Gewichtswunder. Noch nicht einmal zehn Kilogramm bringt es auf die Waage. Trotzdem ist es enorm stabil. Selbst Geschwindigkeiten weit über 200 Stundenkilometer bringt es nicht aus der Ruhe. Die Federelemente, die einen Federweg von 190Millimeter erlauben, sind komplett einstellbar. Optional ist sogar ein elektronisches Fahrwerk zu haben. Dabei kann man die Federvorspannung vierfach verstellen. Die Dämpfereinstellung ist in drei Stufen einstellbar. Wir nutzten die Federvorspannung zur Erhöhung der Sitzposition. Einfach den Modus Soziusbetrieb eingestellt und zusätzlich die Sitzbank in die höchste Position gebracht, und schon saßen wir mit unserer Körpergröße von 1,90 Metern optimal auf der Maschine.
Mit minimalem Aufwand lassen sich auch die Fußrasten und das wirkungsvolle Windschild verstellen. Perfekt !
Das elektronische Fahrwerk wird bei den Kunden vermutlich der Renner sein, denn es kostet lediglich 800 Euro extra. Noch dazu ist sie mit vier Tasten auf der linken Lenkerseite sehr einfach zu bedienen und das Display neben dem lobenswert übersichtlichen Rundinstrument, leicht ablesbar und simpel strukturiert.

Von Anfang an hatten wir auf dem Motorrad ein Gefühl der Leichtigkeit. Es wiegt wie schon erwähnt zwar auch vollgetankt nur 230 Kilogramm, aber wir kamen uns vor, wie auf einer 650er Maschine nicht wie auf einer großen Reise-Enduro. Problemlos ist sie in dieKurven zu lenken und mit einem sauberen Strich kommt man auch wieder heraus.

Auch im Gelände merkt man die sportlichen Gene, die der Marke KTM zu eigen sind. Wen es allerdings häufig in Staub, Matsch oder Sand zieht, sollte lieber auf das R-Modell warten, das etwas später auf den Markt kommt.

Selbst das Combined- Brake- System, das kombinierte Bremsensystem, welches, egal, welcher Hebel betätigt wird , die Bremskraft optimal auf die beiden Räder verteilt, hat eine Geländefunktion. Dabei kann das Hinterrad, beispielsweise bei Bergabfahrten, vom Fahrer blockiert werden.

Von Anfang an hat KTM bei der Konstruktion der Reise-Enduro das nötige Zubehör mit eingeplant. Eine Steckdose ist selbstverständlich ebenso vorhanden wie die Aufnahmen für ein Koffersystem, das gleich mit geordert werden kann.

Kurzum: Auf Anhieb wird die KTM den Platzhirschen BMW nicht verdrängen können. Aber sie ist auf jeden Fall eine ganz ernst zu nehmende Alternative und eine echte Bereicherung des Segments.

Für viele eher sportlich orientierte Kaufinteressenten wird sie die erste Wahl sein.

So schallt es durch die Täler der Alpen
von Österreich rüber nach Bayern : BMW. Wir kommen!

Text/Fotos: Walter Hasselbring

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