24. ARCD-Hauptversammlung und die ARCD-Initiative „Rücksicht statt Risiko“

 Rücksicht statt Risiko oder Risiko mit Rücksicht? In seiner Festrede zur 24. Hauptversammlung des ARCD stellte der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), Dr. Walter Eichendorf, den Titel der aktuellen ARCD-Initiative „Rücksicht statt Risiko“ auf den Kopf – und erzeugte dennoch keinen Widerspruch. 

„Die Evolution und damit auch die Entwicklung des Menschen sind geprägt nicht nur von den Erfolgen des Anpassungsfähigen, sondern auch von den Taten der Wagemutigen“, so Dr. Eichendorf zum Risikoverhalten im Allgemeinen, das fester Bestandteil der Gesellschaft sei. Ganz ohne Risiko lasse sich das Leben nicht bewältigen, es komme aber ganz auf die richtige Balance im „täglichen Wechselspiel aus Chancen und Gefahren an“. Gewisse Gefahren müsse man in Kauf nehmen, um Chancen zu nutzen: „In den letzten 25 Jahren wurde mit der hohen Mobilität durch den Straßenverkehr der zur Zeit bestehende Wohlstand maßgeblich mitgestaltet, allerdings zum Preis des Lebens von fast 185.000 Menschen, also einer kompletten Großstadt wie Saarbrücken.“ Verkehrsverhalten sei immer auch Risikoverhalten, so Dr. Eichendorf. „Eine völlig risikofreie Verkehrsteilnahme ist Fiktion – Mobilität birgt Risiken!“

Würde § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) als Grundregel von allen Menschen akzep- tiert und befolgt, dann gäbe es in Bezug auf die Verkehrssicherheit allerdings kaum Probleme, meinte der DVR-Präsident vor über 300 Zuhörern. Denn in der StVO sei die stän- dige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht als Bedingung für die Teilnahme am Straßenverkehr festgeschrieben. Auch deshalb sei es an der Zeit, geeignete Maßnahmen zum Schutz vor allem der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu ergreifen. Dazu brachte der DVR-Präsident einige konkrete Vorschläge mit zur ARCD-Hauptversammlung, wie eine stär- kere Vereinheitlichung von Verkehrsregeln, längere Grünphasen für Fußgänger, ausreichen- de Gehwegbreiten und Barrierefreiheit auf allen Wegen.

Insgesamt solle unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit der Erhalt und Umbau des beste- henden Wegenetzes Vorrang haben vor Neubaumaßnahmen. „Von zentraler Bedeutung ist die Anpassung des Netzes unter Rücksichtnahme auf alle Verkehrsteilnehmer“, so Dr. Eichendorf. „In einem solidarischen und auf Rücksicht basierenden System müssen auch diejenigen Menschen ihren Platz finden, die nicht zur Gruppe der Starken gehören.“ Das seien vor allem Kinder, aber auch ältere Menschen und solche, die trotz unterschiedlicher Beeinträchtigungen und Handicaps mobil bleiben wollen. „Im Prinzip sind es aber alle Menschen, weil niemand fehlerfrei und ohne Schwächen ist.“

Gemeinsam mit dem ARCD wolle man, so Dr. Eichendorf, Menschen auf ihre verantwortungs- volle Aufgabe als Verkehrsteilnehmer vorbereiten. Durch Aufklärung, Information, Fortbildung und Verkehrserziehung gehe es darum, die Menschen im Umgang mit Risiken zu stärken und sie zu rücksichtsvollem Verhalten anzuleiten. „Das gelingt dann besonders gut, wenn sich mög- lichst viele Menschen immer wieder daran erinnern, dass sie Teil eines komplexen Systems sind, das nur funktionieren kann, wenn möglichst alle Elemente aufeinander Rücksicht nehmen“, so Dr. Eichendorf.

Quelle: ARCD/DVR

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